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12.06.2017

Glücksspiel im Zerrspiegel: Wirtschaftskraft unterschätzt – Probleme überschätzt

Die wirtschaftliche Bedeutung der Glücksspielbranche in Deutschland wird deutlich unterschätzt: 72 Prozent der Bevölkerung unterschätzen die Anzahl der Beschäftigten (circa 198 000 laut Handelsblatt Research Institute) im Vergleich zur Pharma- und Möbelindustrie. Auf der anderen Seite wird der Anteil der Personen in der Gesamtbevölkerung, die ihr Spielverhalten am Spielautomaten nicht mehr unter Kontrolle haben, auf durchschnittlich 36 Prozent geschätzt. Diese Schätzung liegt um ungefähr das Hundertfache über dem tatsächlichen Wert von circa 0,37 Prozent (pathologisches Glücksspiel) der Bevölkerung, die laut einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) unter Spielsucht leiden.

 

Eklatante Fehleinschätzungen

 

Diese aktuellen Ergebnisse des Glücksspielbarometers bestätigen eine Studie des Handelsblatt Research Instituts „Der Glücksspielmarkt in Deutschland – eine volkwirtschaftliche Betrachtung“, die von Institutspräsident Prof. Bert Rürup im April in Berlin vorgestellt wurde.

 

Für Dr. Daniel Henzgen, Bevollmächtigter der Geschäftsführung für Politik und Außenbeziehungen bei Löwen Entertainment, sind diese eklatanten Fehleinschätzungen auch ein Ergebnis der Berichterstattung: „Die mediale Logik rückt oft Einzelschicksale in den Vordergrund und stellt eine Verbindung zwischen der Verfügbarkeit des Glücksspielangebots, der Anzahl der Spielhallen und der Entstehung von problematischem Spielverhalten her. Die Häufigkeit und Emotionalität der Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Glücksspieländerungsstaatsvertrag und den Landesspielhallengesetzen hat den Eindruck erweckt, es handle sich um ein zahlenmäßig sehr großes Problem, das einer drastischen Angebotsreduzierung bedarf.“

Dass Spieler- und Jugendschutz konsequent umgesetzt werden müssen, stehe für Henzgen außer Frage, allerdings würden einige Regulierungsmaßnahmen deutlich am Ziel vorbeigehen und eine volkswirtschaftlich bedeutsame Branche schädigen sowie illegale Angebote begünstigen.

 

"Weniger Emotion, mehr Empierie"

 

„In der gesamten Thematik braucht es weniger Emotion und mehr Empirie“, so Dr. Daniel Henzgen.

 

Obwohl die Glücksspielbranche in Deutschland mit 198 000 Arbeitsplätzen fast doppelt so viele Menschen beschäftigt wie die Pharma- und Möbelindustrie (zusammen circa 200 000 Beschäftige), schätzen 15 Prozent deren Beschäftigtenzahl im Vergleich auf „deutlich weniger als halb so viele“, 33 Prozent auf „etwa halb so viele“ und 24 Prozent auf „etwa gleich viel“. Nur 20 Prozent liegen mit der Einschätzung richtig, dass die Glücksspielbranche „etwa doppelt so viele“ Arbeitsplätze biete wie die Pharma- oder Möbelindustrie.

 

36 000 Arbeitsplätze drohen wegzufallen

 

Die Rürup-Studie kommt in der Zusammenfassung zu dem Schluss: „Die Glücksspielbranche ist von großer Bedeutung für den deutschen Arbeitsmarkt.“

Nach Einschätzung des Handelsblatt Research Instituts könnten jedoch durch die Abstandsregelungen und das Verbot von Mehrfachkonzessionen schon bald bis zu 36.000 Arbeitsplätze wegfallen.

 

Für das Glücksspielbarometer wurden von der Smartcon GmbH in Mainz im Auftrag der Löwen Entertainment GmbH im Mai 2017 insgesamt 1 000 Online-Interviews geführt. Die Stichprobe war dabei repräsentativ für die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland.

 

Die Studie „Der Glücksspielmarkt in Deutschland“ des Handelsblatt Research Instituts kann hier heruntergeladen werde.



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