BA-Diskussion zu "Corona und kein Ende" – hochkarätige Runde ist sich einig – das Stolpern von einem Lockdown in den nächsten muss ein Ende haben!

Sebastian Czaja: "Von dem, was ich hier gehört habe, werde ich einiges in die Fraktionsvorsitzenden-Konferenz mitnehmen."

Die BA-Mitglieder verfolgen die Diskussionsrunde "Corona und kein Ende? Wie kommen die Automatenunternehmen durch die Krise?" mit wachem Interesse.

Teil der Diskussionsrunde: BDWi-Präsident Michael H. Heinz, DAW-Sprecher Georg Stecker und TB Automaten-Mitarbeiterin Susan Knupke.

Teil der Diskussionsrunde: Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, BA-Präsident Thomas Breitkopf und Steffen Rehr, 2. Vorsitzender des Ostverbandes.

In der heutigen BAdigital-Diskussionsrunde zum anhaltenden Lockdown und politischen Hickhack kamen endlich mal alle Probleme auf den Tisch. „Corona und kein Ende? Wie kommen die Automatenunternehmen durch die Krise?“, so das heiße Thema, bei dem naturgemäß viele Existenzängste mitspielen.

Hochkarätige Gäste wie beispielsweise der Vorsitzende der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus Sebastian Czaja, BDWi-Präsident Michael H. Heinz, DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker und BA-Präsident Thomas Breitkopf sorgten für den einen oder anderen echten Erkenntnisgewinn.

Blitzumfragen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Doch starten wir mit den Blitzumfragen, die bei den über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gemacht wurden. Wie ist Ihre Meinung zur Corona-Strategie? 63 Prozent votierten für „Konsequenter, befristeter Lockdown für alle, um anschließend dauerhaft zu öffnen“. 23 Prozent für „Ich bin unentschlossen“ und 14 Prozent für „Direkt alles öffnen – bei steigenden Zahlen notfalls wieder schließen“.

Die Frage „Haben Sie bereits alle Wirtschaftshilfen erhalten?“ ringt 35 Prozent ein „Ja“ ab. 63 Prozent sagen „Nein“. Zwei Prozent bedauern: „Ich habe bisher noch gar nichts erhalten“.

Spannend auch die Frage: Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in der aktuellen Situation mit ein? „Ja, via Telefon und Mail“ sagen 39 Prozent. „Ja, persönliche Treffen in den Geschäftsräumen, unter Einhaltung der Abstandsregeln“ kreuzten 24 Prozent an. „Nur teilweise“ – 17 Prozent. „Ja, über Online-Meetings“ – 15 Prozent. „Eher selten oder gar nicht“ – vier Prozent.

Wir dokumentieren die Highlights der 90-minütigen Diskussion:

„Der anhaltende Lockdown hat zu einer dramatischen Situation in allen Branchenstufen geführt, fast 70 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, und es fehlt zurzeit eine wirkliche Perspektive“, so DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker. Auch dass viele Hilfen nur sehr verzögert fließen würden, mache die Situation nicht gerade besser.

BA-Präsident und Unternehmer Thomas Breitkopf spricht von einer „permanenten Habachtstellung“ und der wichtigen Frage: Wie schaffe ich es, die Mitarbeiter bei Laune zu halten und ihnen Mut zu machen? Die Politik habe zum Teil ein „organisiertes Chaos“ zu verantworten und der Föderalismus stoße an seine Grenzen. Aber auch dies: „Wir sind dankbar für die – wenn auch oft verspäteten – Hilfszahlungen.“

Mitarbeiterinnen halten den Teameist wach

Der 2. Vorsitzende des Verbandes der Automatenkaufleute Berline und Ostdeutschland, Steffen Rehr, hält Kontakt zu seiner Belegschaft über WhatsApp-Gruppen. Die Lockdown-Zeit werde unter anderem für Renovierungsarbeiten genutzt, weil sich die Handwerker in den geschlossenen Spielhallen frei bewegen können. Der Mecklenburger staunt über die Kreativität seiner zwangsweise arbeitslosen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich beispielsweise zu Fahrradausflügen treffen und so den Teamgeist wachhalten.

Sebastian Czaja, Vorsitzender der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, sprach über paradoxe Zustände wie beispielsweise geschlossene Fahrschulen in Berlin, während diese im umliegenden Brandenburg unter Auflagen geöffnet bleiben dürfen. „Auch Ihre Branche muss in den Stufenplänen erst noch einen angemessenen Platz finden. Von dem, was ich hier gehört habe, werde ich einiges in die Fraktionsvorsitzenden-Konferenz mitnehmen.“

Wir stolpern von einem Lockdown in den nächsten

Nachdem das Impfen so schleppend angelaufen ist, hofft Czaja, dass das wichtige Testen schneller und besser in die Gänge kommt. Der ausschließliche Blick auf den Inzidenzwert müsse aufgegeben werden, „weil wir sonst von einem Lockdown in den nächsten Lockdown stolpern“. Die Politik müsse den praktischen Infektionsschutz in den Mittelpunkt ihrer Maßnahmen stellen. Ausgangssperren seien höchst zweifelhaft.

Der liberale Politiker weiter: Die Qualitätskontrolle der Corona-Politik durch die Parlamente müsse wieder stärker greifen, die unterschiedlichen Strategien sollten in der Öffentlichkeit diskutiert werden. Den Flickenteppich an unterschiedlichsten Regelungen in den Ländern „bekommen die Menschen nicht mehr sortiert“.

Lockerungen mit Augenmaß

Sebastian Czaja bedauert, dass der Vorschlag, die Hilfen über die Finanzämter abzuwickeln, von der Bundesregierung nicht aufgegriffen worden ist. „Wir müssen lernen mit der Pandemie zu leben und brauchen umfassende Test- und Hygienekonzepte sowie Lockerungen mit Augenmaß.“ Der Berliner Spitzenpolitiker erinnerte beispielhaft an ein Event in der Berliner Philharmonie mit tausend getesteten Musikliebhabern.

DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker befürchtet, dass das illegale Spiel immer neue Blüten treiben wird, wenn die gewerblichen Spielhallen weitere Monate geschlossen bleiben. Er ist ganz bei Sebastian Czaja, wenn er sagt: „Die Politik sollte auf die Infektionsrisiken schauen.“

Gut vorbereitet auf die Wiedereröffnung

Mögliche pseudomoralische Wertungen in Bezug auf einzelne Branchen würden den Kampf gegen die Pandemie ad absurdum führen. Die Automatenbranche sei im Übrigen gut vorbereitet auf die Wiedereröffnung, nicht nur durch die schlüssigen Hygienekonzepte, sondern auch durch ein Fraunhofer-Gutachten.

Michael H. Heinz, Präsident des großen Bundesverbandes der Dienstleistungswirtschaft (BDWi), spart nicht an Kritik: „Wir können das Land nicht länger so herunterfahren, und wir brauchen den Mut, der Wirtschaft mit Hygienekonzepten wieder auf die Beine zu helfen.“ Heinz gebrauchte in diesem Zusammenhang auch den Begriff einer „widernatürlichen“ Situation. „Die bisherige Politik halten wir nicht lange durch.“

Großer Erschöpfungszustand der Gesellschaft

Sebastian Czaja sieht einen „großen Erschöpfungszustand der Gesellschaft“, der zu „Kippmomenten“ führen kann. Statt Verlässlichkeit und Kompetenz auszustrahlen, würden die Regierenden mit Profilierungsversuchen und Konzeptionslosigkeit irritieren. Statt dessen brauche das Land rasche Impf-Fortschritte und eine umfassende, staatlich finanzierte Teststrategie.

Die Mitarbeiterin von TB Automaten, Susan Knupke, wurde von dem wieder einmal souverän agierenden Moderator Edwin Prelog zu der Stimmung im Unternehmen gefragt. „Viele haben Schlafstörungen und Zukunftsängste. Das Vertrauen in die Maßnahmen der Politik sinkt immer weiter“, so die Präventionsbeauftragte. Mit Plänen für die Wiedereröffnung und Schulungen versuche man die Stimmung nicht ins Negative abrutschen zu lassen. „Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden bei uns aktiv eingebunden.“

Nachhaltige Strategie ohne Jo-Jo-Effekte

BA-Präsident Thomas Breitkopf fordert von der Politik eine langfristige nachhaltige Strategie, ohne Jo-Jo-Effekte. Selbstbewusst betont er: „Auch unsere Branche ist systemrelevant. Unser Angebot trägt zur Wertschöpfung bei, und wir erfüllen den im Glücksspielstaatsvertrag festgeschriebenen Kanalisierungsauftrag.“ Jeden Tag lese man in der Presse von illegalen Casinos, die ausgehoben werden. Diese fatale Entwicklung könne man nur gemeinsam stoppen.

Weitere Beiträge von BA-Geschäftsführerin Simone Storch und Justiziar Stephan Burger, auch nachdenkliche Chat-Einträge wie die von Ralf Bastian rundeten die aktuelle BAdigital-Diskussionsrunde gelungen ab – ein echtes Erfolgsformat.