BZgA warnt zur Fußball-WM vor einem "erhöhten Suchtpotenzial von Sportwetten"

Unter den Sportfans und Sportwetten-Kunden gibt es auch pathologische Spieler. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt vor der Suchtgefahr. – – – Symbolfoto: wgbieber/pixabay

Neue Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zeigen, dass rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland innerhalb der letzten zwölf Monate auf ein sportliches Ereignis gewettet haben. Besonders für junge Männer sind Sportwetten attraktiv: 5,7 Prozent der 16- bis 25-Jährigen haben im genannten Zeitraum Erfahrungen mit Sportwetten gemacht. Von ihnen setzen rund 20 Prozent mindestens wöchentlich Geld auf Sportereignisse. 

Anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft weist die BZgA darauf hin, dass Sportwetten mit einem hohen Risiko für eine Suchtentwicklung verbunden sein können. Kritisch sind vor allem sogenannte Live-Wetten, insbesondere die Ereignis-Wette, bei der Geldeinsätze auf bestimmte Ereignisse während eines Spiels abgegeben werden können.

Mortler appelliert: "Novellieren Sie den Glücksspielstaatsvertrag"

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung Marlene Mortler mit ihrem Standpunkt: "Spieler müssen wissen, dass Online-Sportwetten in Deutschland bisher grundsätzlich verboten sind. Das heißt: Keine Rechtssicherheit – keiner kann garantieren, dass man den Gewinn auch erhält, den man gewonnen hat." 

Frau Mortler weiter: "Darüber hinaus bergen Sportwetten ein hohes Suchtpotenzial, können Menschen in den finanziellen Ruin treiben und Familien auseinander bringen. Ich appelliere an dieser Stelle daher erneut an die Länder: Novellieren Sie den Glückspielstaatsvertrag und klären Sie die Bedingungen für die Sportwetten im Netz. Der Jugend- und Spielerschutz muss an erster Stelle stehen, nicht der Eifer nach den höchsten Gewinnen!"

Dr. Thaiss: Online-Angebot rund um die Uhr besonders problematisch

Die BZgA-Chefin Dr. Heidrun Thaiss: "In der BZgA-Befragung geben sieben Prozent der Befragten an, jemals in ihrem Leben an Sportwetten teilgenommen zu haben. Dies entspricht rund vier Millionen Personen."

Die Hoffnung auf den großen Gewinn verführe dazu, dass unkontrolliert gespielt wird und die Risiken unterschätzt werden. "Wer wettet, setzt sein Geld auf die Mannschaft, die seiner Meinung nach die besten Gewinnchancen hat. Doch sind Sportwetten Glücksspiele und ihr Ausgang hängt vom Zufall ab. Auch Erfahrungen durch aktive Teilnahme am Sport oder jahrelange Fußball-Leidenschaft verhelfen nicht zum Gewinn."

Besonders problematisch sei es, dass Sportwetten rund um die Uhr online angeboten werden und dadurch leicht und ständig verfügbar sind.

BZgA: 180 000 pathologisch Spielende in Deutschland

Die BZgA informiert seit 2007 über die Risiken von Glücksspielen und führt alle zwei Jahre Repräsentativbefragungen zum Glücksspielverhalten und zur Glücksspielsucht in Deutschland durch. Für die neue Studie wurden bundesweit 11 500 Personen im Alter zwischen 16 und 70 Jahren im Zeitraum von April bis Juli 2017 befragt. Nach den Ergebnissen der Befragung gelten aktuell in Deutschland 326 000 Menschen als problematisch und 180 000 als pathologisch Spielende.