DAGV stolz auf die Branche: „Unser Qualitätsanspruch hat sich im Krisenfall in vorbildlicher Weise bewährt!“

Von links: DAGV-Geschäftsführer Jörg Meurer, AWI-Geschäftsführer Manuel Michalski, DAGV-Vorsitzender Pit Arndt und Vorstandsmitglied Ricardo Miranda.

Da, aber doch nicht da! Etliche Mitglieder nahmen virtuell am Tagungsgeschehen teil.

Beim DAGV-Treffen vor Ort, hier: Jörg Neuberger, Udo Nickel und Gerhard Hubmann.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil sprach unter anderem zum Thema „Hygienemaßnahmen, Spielhallen und Stadtentwicklung aus Sicht einer Architektin“.

Der Deutsche Automaten-Großhandels-Verband (DAGV) veranstaltete seine heutige Jahreshauptversammlung als Hybrid-Treffen: ein Teil der Mitglieder war analog vor Ort im Salon Unter den Linden im Westin Grand Hotel Berlin, der andere Teil nahm via Videokonferenz an dem ambitionierten Tagungsgeschehen Anteil.

„Ich bitte um eine Tonprobe von euch, etwa: ‚Pit Arndt ist ein toller Typ‘“! Gewohnt humorvoll und lässig begrüßte der Vorsitzende Pit Arndt die anderthalb Dutzend Verbandsmitglieder, die meisten von ihnen über Videotechnik zugeschaltet. Und warum eigentlich nicht – mit einer guten Portion Humor kann man der aktuellen Corona-Krise sicher am besten begegnen!

Seit 1953 setzt sich der Traditionsverband für die Interessen des Automatenfachgroßhandels ein. „Handel ist Wandel. Wohin die Reise geht, hängt nicht davon ab, woher der Wind weht, sondern wie man die Segel setzt“, betont der Vorstand. Und so erinnerte Geschäftsführer Jörg Meurer in seinem Bericht an die jüngste DAGV-Initiative, den Fokus für die Mitglieder auch auf andere Glücksspielmärkte zu richten. Spanien und Großbritannien waren bereits an der Reihe, Italien, Österreich und die Niederlande sollen folgen.

Ein Novum in der Geschichte unserer Branche

Noch nie zuvor sei die Branche derart zum Erliegen gekommen, wie ab Mitte März 2020. Nicht nur, dass Spielhallen und Gastro-Plätze auf Wochen und Monate verwaist waren, auch das politische Branchenleben sei fast vollständig paralysiert worden. Für die gesamte Branche eine enorme Durststrecke und Herausforderung.

„Die Erfüllung der strengen Hygieneanforderungen gerade beim Betrieb von Spielhallen ist der Automatenwirtschaft im Vergleich zu anderen Branchen überraschend gut gelungen“, macht die Verbandsspitze deutlich. Und dies sei nicht von ungefähr gekommen: „Unsere Unternehmer und Mitarbeiter sind es aufgrund einer konsequent an qualitativen Merkmalen ausgerichteten Betriebsführung und Gästebetreuung bereits seit Jahren gewohnt, Hygieneauflagen und Sicherheitsvorkehrungen einzuhalten. Unser Qualitätsanspruch hat sich im Krisenfall in vorbildlicher Weise bewährt!“

Neue Impulse durch den Wegfall der V1-Geräte

Mit dem Wegfall der V1-Geräte bis Ende Januar 2021 – zurzeit sind noch rund 90 000 am Markt – hofft man, dass der Handel neue Impulse bekommt. Auch wurde das Pro & Contra kontrovers diskutiert, ob die Umrüstfrist möglicherweise verlängert werden sollte.

Beim DAGV stellt man zudem Überlegungen an, die Eigenwerbung in den beiden Fachzeitschriften noch innovativer zu gestalten und beispielsweise einzelne Mitgliedsunternehmen vorzustellen.

Der neue AWI-Geschäftsführer Manuel Michalski präsentierte die facettenreiche Arbeit der AWI GmbH. Die Branche habe in puncto Prävention viel an Glaubwürdigkeit gewonnen. Manuel Michalski streifte Themen wie AWI-Shop, Ausbildung, E-Campus („diesen haben wir mit Erfolg aus dem Boden gestampft“), Online-Schulungen und die wichtige künftige Kampagnenfähigkeit im Hinblick auf die traditionsreiche Gastronomie-Aufstellung.

Glücksspielstaatsvertrag 2021 mit Öffnungsklausel

Sodann analysierte Rechtsanwalt Jörg Meurer in einem Parforce-Ritt den 64 Seiten starken Glücksspielstaatsvertrag 2021. Ermutigend: Die Bundesländer Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Hessen und Sachsen haben sich bereits für die Umsetzung der Öffnungsklausel in § 29 (4) GlüStV ausgesprochen. Und auch Niedersachsen will sich offenbar anschließen. So werden in diesen Ländern dank qualitativer Hürden bis zu drei Spielhallen im Verbund möglich sein. Allerdings werden die Abstandsgebote nach Lage der Dinge auch weiterhin zahlreiche Existenzen bedrohen.

„Und um die Legalisierung der Online-Angebote wird es Streit geben“, ist sich Meurer sicher.

Ein Ärgernis ist nach wie vor der zu leichte Berufszugang mit dem sogenannten IHK-„Sitzschein“. Hier will man die Hürden erhöhen. Weitere Themen: Zertifizierung („ihre Bedeutung wird noch zunehmen“), BAlarm („gut, um schwarze Schafe dingfest zu machen“), Ausbildung („wird von der Politik überaus positiv anerkannt“), die wichtige Qualitätsinitiative der Deutschen Automatenwirtschaft und der angepeilte Branchengipfel Summit 2021.

Zu Gast zum politischen Gespräch: MdB Mechthild Heil 

Spannend auch das Fachgespräch mit der Architektin, Familienunternehmerin und Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil, CDU, die aktuell Vorsitzende des ständigen Bundestagsausschusses für Bau, Wohnen, Stadtentwicklung und Kommunen ist, außerdem als frühere Verbraucherschutz-Expertin die Automatenwirtschaft gut kennt. Und zwar ohne Vorurteile, wie in der Diskussion deutlich wurde.

Wandern die Spielgäste zu den Online-Casinos ab? Peter Mahler-Jakob, Gauselmann Großhandel, bleibt optimistisch: Wenn die Spielfreude von staatlicher Seite nicht allzu sehr eingeschränkt wird, werde sich das terrestrische Spiel sehr gut behaupten können.

Und auch Andreas Hingerl, Löwen Entertainment, sieht in Online-Spielern eher „Nerds und Freaks“. Das Online-Spiel sei keinesfalls „ein Substitut für das terrestrische Spiel.“ Denn: Die meisten Spielgäste legen Wert auf soziale Interaktion.

Kümmerer oder Macher an der Spitze?

Zum Schluss wurde es fast schon etwas philosophisch auf der DAGV-Jahreshauptversammlung. „Braucht unser Land einen Kümmerer oder einen Macher an der Spitze?“ Eine offene Frage, die auch als quasi Schlusswort noch lange in den Mitgliedern und Gästen nachhallte.