Dialog auf Augenhöhe: Das Unternehmergespräch

Jedes Jahr, wenn die Auszubildenden und dual Studierenden ihr erstes Jahr in der Unternehmensgruppe Gauselmann geschafft haben und ihr zweites Ausbildungsjahr beginnen, werden sie von der Ausbildungsabteilung zum Unternehmergespräch nach Espelkamp eingeladen. Und mit nur sehr wenigen, überwiegend krankheitsbedingten Ausnahmen nehmen alle gerne an diesem Treffen mit Paul und Armin Gauselmann teil.
 
Pro Jahr bewerben sich mehrere Tausend junger Menschen auf einen der vielfältigen Ausbildungsplätze bei der Gauselmann Gruppe. In einem mehrstufigen Auswahlverfahren schaffen es am Ende die, die am besten zum Unternehmen passen – der Grad des Schulabschlusses ist dabei sekundär, bestätigt Ausbildungsleiter Konrad Ostermeier.

Chancen erkennen, Chancen nutzen

Wer die Lebensgeschichte von Paul Gauselmann kennt, weiß, dass es ihm ganz ähnlich erging und er für die Chance, die sich ihm als Volksschüler 1950 bot, sehr dankbar ist. „Von neun Leuten, die mit mir die zweitägigen Eignungsprüfungen machten und die viel höhere Schulabschlüsse vorweisen konnten, habe ich als einziger die Lehrstelle zum Fernmelderevisor bekommen“, berichtet er den anwesenden 62 jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beim diesjährigen Unternehmergespräch.

Er habe die Chance erhalten, resümierte er, weil er sich damals schon immer darum bemühte, das Beste aus sich und den Herausforderungen des Lebens herauszuholen. Jeder sei ein Stück weit eben auch immer seines eigenen Glückes Schmied.  

Die Fragen, die die Auszubildenden und dual Studierenden an diesem Tag mitgebracht hatten, waren facettenreich: Würden Sie den gleichen Weg noch einmal gehen? Wie beurteilen Sie rückblickend die Vereinbarkeit von Familie und Unternehmen und was würden Sie aus heutiger Sicht anders machen? Aber auch allgemeinere Fragen zum Beispiel zum Thema „Fridays for Future“ wurden den Unternehmern Paul und Armin Gauselmann gestellt.

Facettenreiche Fragen

„Wenn Sie die Wahl hätten: welchen Job würden Sie in Ihrem Unternehmen am liebsten machen?“ „Dann würde ich gerne Entwicklungsleiter sein“, so Paul Gauselmann, „allerdings fehlt mir dazu das moderne Know-how in Elektronik und Informatik. Da müsste ich also erstmal eine Menge neu dazulernen!“

„Gibt es einen Lernprozess, der Sie besonders geprägt hat?“ „Meine Arbeit in den Verbänden!“ Seit 1966 habe er sich zunächst auf Landes-, ab 1981 auf Bundesebene für die Branche engagiert.

Paul Gauselmann gab den jungen Leuten auch immer wieder wichtige Eckdaten und aktuelle Fakten mit auf den Weg. „Der Spieleinsatz beim gewerblichen Spiel beträgt maximal 20 Cent in fünf Sekunden. Die Auszahlquote liegt zwischen 90 und 95 Prozent. Ein Spiel kostet somit praktisch ein bis zwei Cent in fünf Sekunden.“ Glücksspiel sei hingegen eine ganz andere Kategorie. Mit einem einzigen Walzen- oder Scheibendreh könnten da schlagartig mehrere hundert Euro weg sein.

"Ein zufriedener Mensch"

Auf die Frage, ob man unternehmerischen Weitblick lernen könne, gab es von Paul Gauselmann eine eher kurze, aber prägnante Antwort: „Die Gene müssen stimmen!“ Er sei von Haus aus ehrgeizig und zielstrebig veranlagt. Bereits seine Mutter habe Bestnoten in der Schule gehabt.

Nach so viel beeindruckender Geschichte endete das diesjährige Unternehmergespräch nach rund zwei Stunden mit einem letzten persönlichen Bekenntnis des Firmengründers, der mit 85 Jahren noch jeden Tag die Geschicke seiner Unternehmensgruppe mit ihren aktuell 14 000 Beschäftigten mitbestimmt: „Die Aufs und Abs in meinem Leben haben mich sicherlich geprägt. Doch ich kann heute sagen: Ich bin zu 99 Prozent ein zufriedener Mensch!“