01.10.2026

BA kommentiert die "Gemeinschaftsdiagnose": Unsere Branche braucht flexible Arbeitszeiten, keine neuen Steuerlasten und eine ausbalancierte Regulierung

Kann man aktuell von einem zarten Pflänzlein der Konjunktur sprechen? Die Situation ist insgesamt schwer einzuschätzen. Die vielen, neuen Schulden (laut Politik "Sondervermögen" – die Red.) könnten Teile der Wirtschaft beleben.

Der Bundesverband Automatenunternehmen (BA) verweist in seinem heutigen BAdirekt-Rundschreiben auf die aktuelle Gemeinschaftsdiagnose (GD) führender Wirtschaftsinstitute. Hier zunächst einige zentrale Infos – später bezieht sich das Schreiben konkret auf unsere Branche: 

Nach Einschätzung der genannten Wirtschaftsforschungsinstitute fällt die Erholung im Jahr 2026 mit einem erwarteten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent stärker aus als noch im Frühjahr prognostiziert. Für 2027 wird ein Wachstum von 1,1 Prozent, für 2028 von 0,4 Prozent erwartet. Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Entwicklung durch hohe Energiepreise, strukturelle Herausforderungen und ein rückläufiges Erwerbspersonenpotenzial belastet.

Unternehmensinvestitionen und privater Konsum blieben dagegen zunächst schwach. Im dritten Quartal hat sich die Erholung vorübergehend verlangsamt. Neben den höheren Energiepreisen belastet insbesondere das seit Juli anhaltende Niedrigwasser die Produktion, vor allem in der chemischen Industrie. Für die weitere Entwicklung erwarten die Institute Impulse durch die robuste Auslandsnachfrage sowie höhere öffentliche Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.

Die Inflation wird für 2026 auf 2,8 Prozent und für 2027 auf 3,2 Prozent geschätzt, bevor sie 2028 auf rund 2,0 Prozent zurückgehen soll. Ein weiterer Schwerpunkt der Diagnose ist die zunehmende Belastung der öffentlichen Finanzen. Das staatliche Finanzierungsdefizit dürfte von 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2026 auf 4,7 Prozent im Jahr 2028 steigen. Damit erhöht sich zugleich der Konsolidierungsbedarf.

Dienstleistungen mit unterschiedlichen Entwicklungsperspektiven

Auch für den Dienstleistungsbereich zeichnet die Gemeinschaftsdiagnose ein differenziertes Bild. Für die zweite Jahreshälfte 2026 erwarten die Institute insgesamt einen positiven Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung. Insbesondere die unternehmensnahen Dienstleistungen profitieren von der weltweiten Nachfrage im Zusammenhang mit dem KI-Boom. Die öffentlichen Dienstleistungen dürften vor allem aufgrund höherer Ausgaben für Gesundheit und Pflege weiter kräftig expandieren.

Demgegenüber werden konsumnahe Dienstleistungen durch die gestiegenen Energiepreise und die damit verbundenen Kaufkraftverluste belastet. Für den Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe erwarten die Institute für 2026 ein Wachstum von 1,1 Prozent und für 2027 von 0,6 Prozent.

Mittelfristig sehen die Institute jedoch zunehmende Wachstumshemmnisse durch den demografischen Wandel, insbesondere für beschäftigungsintensive Dienstleistungsbranchen wie Unternehmensdienstleistungen, Handel, Verkehr und Gastgewerbe.

Was bedeutet die Diagnose für unsere Branche?

Die Antwort von BA-Geschäftsführerin Simone Storch – im ganzen Wortlaut: 

"Für das gewerbliche Geldspiel sendet die Prognose ein gemischtes Signal. Die Wirtschaft wächst zwar wieder, getragen wird der Aufschwung aber vor allem von Exporten und öffentlichen Ausgaben. Der private Konsum bleibt dagegen schwach.

Die hohen Energiepreise treffen unsere Betriebe gleich zweifach, weil sie die eigenen Kosten erhöhen und die Kaufkraft der Gäste schmälern. Für Handel, Verkehr und Gastgewerbe erwarten die Institute zwar ein Plus von 1,1 Prozent in diesem und 0,6 Prozent im kommenden Jahr. Bei unseren Betrieben kommt davon jedoch kaum etwas an, und viele geraten wirtschaftlich zunehmend unter Druck. Hinzu kommen Fachkräftemangel und demografischer Wandel als strukturelle Probleme, die sich nicht mit der Konjunktur von selbst lösen.

In diesem Umfeld wiegt jede zusätzliche Belastung doppelt schwer. Steigende Vergnügungssteuern oder weitere Einschränkungen des legalen Angebots würden die ohnehin angespannte Lage vieler Betriebe verschärfen und dem illegalen Glücksspiel nur noch weiter in die Hände spielen.

Die Branche braucht deshalb jetzt verlässliche Rahmenbedingungen: flexible Arbeitszeiten, keine neuen Steuerlasten und endlich eine ausbalancierte Regulierung, die das legale Spiel zwischen wirksamen Spielerschutz und bedarfsgerechter Ausgestaltung  gestaltet."
 
Hier geht es zu der Langfassung der Gemeinschaftsdiagnose.