Zweiter Deutscher Nachwuchsforschungspreis Glücksspielforschung in München verliehen
Am Montag, 13. April 2026, wurde zum zweiten Mal der Deutsche Nachwuchsforschungspreis Glücksspielforschung in München verliehen. Der Preisträger Dr. Sebastian O. Schneider vom Bonner Max-Planck-Institut für Verhaltensökonomik nahm den mit 30 000 Euro dotierten Preis von Jurymitglied Dr. Kahlil Simeon-Rose entgegen. Die vor zwei Jahren gegründete Deutsche Stiftung Glücksspielforschung (DSGF) hat damit zum zweiten Mal nach 2025 den Nachwuchsforschungspreis vergeben.
Risikopräferenzen und Entscheidungsverhalten
Ausgezeichnet wurde Dr. Schneider für die Arbeit „Risk Preferences and Field Behavior: The Relevance of Higher-Order Risk Preferences“, die er gemeinsam mit Prof. Dr. Matthias Sutter in dem renommierten Fachmagazin Amercan Economic Review (2026, Vol. 116, Nr. 1, S. 88-118) veröffentlicht hat. Nach Angaben der Stiftung untersucht die Arbeit, welche Bedeutung höhere Ordnungen von Risikopräferenzen für tatsächliches Entscheidungsverhalten außerhalb des Labors haben. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur klassische Formen der Risikoaversion, sondern auch weitergehende Konzepte wie Prudence und Temperance.
Hohe wissenschaftliche Qualität
Die Ergebnisse seien unmittelbar relevant für die Modellierung von Verbraucherverhalten im Glücksspielkontext sowie für die Gestaltung wirksamer Präventions- und Schutzmaßnahmen, erklärte die Stiftung. Zugleich wertet die DSGF die Veröffentlichung im American Economic Review als Beleg für die hohe wissenschaftliche Qualität der ausgezeichneten Arbeit.
Der ebenfalls von der Stiftung ausgelobte Deutsche Innovationspreis Glücksspielforschung, der mit bis zu 200 000 Euro dotiert ist, wurde in diesem Jahr nicht vergeben.
Fachsymposium zum Risikoverhalten
Begleitet wurde die Preisverleihung von einem Fachsymposium zum Thema „Aspekte menschlichen Risikoverhaltens“ mit Beiträgen von Wissenschaftlern unterschiedlichster Fachgebiete. Prof. Dr. Peter M. Huber, Bundesverfassungsrichter a.D., Thüringer Innenminister a.D. und Staatsrechtsprofessor an der LMU München sprach über die „Bedeutung empirischer Evidenz für Judikative und Legislative“.
Historiker Prof. Dr. Andreas Rödder, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, sprach über „Wissenschaftsfreiheit in Deutschland. Eine historische Perspektive“.
Der Literaturwissenschaftler Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Ulrich Gumbrecht, Stanford University (emeritiert) und Hebrew University, Jerusalem, dozierte über „Risikodenken als Voraussetzung intellektuellen Fortschritts“
Offenes Feld für Forschung und Therapie
Prof. Dr. Marc Potenza, Professor für Psychiatrie sowie Professor im Child Study Center und für Neurowissenschaften, Yale University, tauchte tief in die Neurobiologie der Suchtforschung und des Risikoverhaltens ein und definierte hier ein noch weites offenes Feld für Forschung und Therapiemöglichkeiten.
Prof. Dr. Jack Mintz, President’s Fellow, School of Public Policy, University of Calgary, sprach unter anderem über verschiedene Möglichkeiten der Besteuerung von Glücksspiel und unterschiedlicher staatlicher Zielsetzung.
Prof. Dr. Darren Dahl, Dean, Sauder School of Business, University of British Columbia thematisierte zum Abschluss des Fachsymposiums, wie sich Neugier auf das Entscheidungsverhalten insbesondere beim Glücksspiel auswirkt.
Der Nachwuchsforschungspreis wurde erstmals 2025 vergeben. Die erste Preisträgerin, Dr. Lara Marie Rolvien (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), wurde für eine in JAMA Network Open veröffentlichte Studie zu internetbasierten Interventionen zur Reduktion von Glücksspielsymptomen ausgezeichnet.