16.06.2026

Illegale Glücksspielangebote: DSWV kritisiert die Rolle von Curaçao und ein fragwürdiges Lizenzenzierungssystem

Der Glücksspielsektor in Curaçao wirft viele Fragen auf.

Die dunklen Schattenseiten einer – aktuell in unseren Medien gefeierten – karibischen Sonneninsel! Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) kritisiert in einer Veröffentlichung die Rolle von Curaçao. Überschrift: „Deutschland gegen Curaçao: Gleiche Regeln nur auf dem Spielfeld“. Gemeint ist das Fußballspielfeld, also das aktuelle WM-Turnier.

Doch leider entziehen sich viele internationale Glücksspielanbieter den Anforderungen der Regulierung in Deutschland mit Lizenzen aus Curaçao – was den fairen Wettbewerb und den Spielerschutz erheblich untergräbt.

Hier der komplette, kritische DSWV-Beitrag im Wortlaut: 

(Zwischenüberschriften von der AutomatenMarkt-Redaktion)

„Illegale Anbieter nutzen große Sportereignisse wie die Fußball-Weltmeisterschaft mit ihrem enormen Wettaufkommen gezielt, um Neukunden auch in Deutschland zu gewinnen. Viele dieser Anbieter operieren unter Lizenzen aus Curaçao und entziehen sich den Anforderungen der hiesigen Regulierung vollständig. 

Fairer Wettbewerb braucht klare Spielregeln für alle

Lizenzierte Anbieter in Deutschland müssen strenge Vorgaben zu Spielerschutz, Werbung, Einsatz- und Einzahlungslimits sowie Identitätsprüfungen erfüllen. Illegale Anbieter ignorieren diese Anforderungen und werben stattdessen mit unregulierten Angeboten. Daran ändern auch Lizenzen aus Drittstaaten wie Curaçao nichts. Für den deutschen Markt ersetzen sie keine deutsche Erlaubnis, diese Angebote sind hier illegal.

Das schafft ungleiche Wettbewerbsbedingungen, erschwert die Kanalisierung von Spielerinnen und Spielern in den regulierten Markt und untergräbt den gesetzlichen Spielerschutz. Fairer Wettbewerb braucht gleiche Spielregeln für alle. Die wirksame Eindämmung der illegalen Sportwetten-Anbieter gehört zu den zentralen Herausforderungen für die Erreichung der Ziele des Glücksspielstaatsvertrags.

Lizenzierungssystem seit Jahren in der Kritik

Während sich die Aufmerksamkeit vor dem Spiel auf die Nationalmannschaft von Curaçao richtet, ist die Karibikinsel auch eng mit dem weltweiten illegalen Glücksspielmarkt verbunden. Trotz einer Bevölkerung von nur rund 158 000 Einwohnern werden dort schätzungsweise 12 000 Glücksspiel-Websites unter in Curaçao erteilten Lizenzen betrieben. Darunter befinden sich auch Anbieter, die gezielt regulierte Märkte ansprechen, ohne über die dafür erforderlichen lokalen Lizenzen zu verfügen.

Curaçao wird seit Langem von Regulierungsbehörden, politischen Entscheidungsträgern und Vertretern der Glücksspielbranche als Beispiel dafür angeführt, wie Offshore-Lizenzierungsmodelle von illegalen Betreibern genutzt werden können, um Zugang zu regulierten Märkten zu erhalten. Das Lizenzierungssystem der Insel steht seit Jahren international in der Kritik – insbesondere wegen Bedenken hinsichtlich der Aufsicht, der Transparenz und der Maßnahmen zur Bekämpfung von Geldwäsche.

Außerhalb des Schutzsystems

Im Jahr 2025 stellte die Financial Action Task Force (FATF) Schwachstellen im Zusammenhang mit dem Glücksspielsektor in Curaçao fest und überwacht die weiteren Entwicklungen in diesem Bereich weiterhin aufmerksam. Nach Einschätzung von Branchenverbänden und auch der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) wird die Kanalisierung von Spielerinnen und Spielern in den regulierten Markt durch den zunehmenden Anstieg illegaler Anbieter erschwert, die mit attraktiveren Produktangeboten, höheren Einsatzmöglichkeiten und ohne jegliche regulatorische Auflagen um Kunden werben. 

Wer sich für solche Angebote entscheidet, bewegt sich außerhalb des Schutzsystems der deutschen Regulierung. Als Folge davon haben Kunden häufig nur sehr begrenzte Möglichkeiten, ihre Ansprüche durchzusetzen – etwa, wenn Gewinne nicht ausgezahlt werden, persönliche Daten missbräuchlich verwendet werden oder Streitigkeiten entstehen.

Legale Angebote konkurrenzfähig machen

Die legalen Glücksspielanbieter in Deutschland sehen daher dringenden Handlungsbedarf: Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass die konsequente Zurückdrängung illegaler Anbieter an praktische Grenzen stößt. Vor diesem Hintergrund muss die Regulierung stärker darauf ausgerichtet werden, ein hohes Maß an Verbraucherschutz zu gewährleisten und eine wirksame Kanalisierung in den regulierten Markt ermöglichen. 

Dafür müssen legale Angebote konkurrenzfähig gemacht und gestärkt sowie faire Marktbedingungen sichergestellt werden. Nur so können die Ziele des Glücksspielstaatsvertrags nachhaltig und effektiv erreicht werden.“