30.07.2026

Gut recherchierte Cicero-Reportage lässt die legale Glücksspielbranche zu Wort kommen

Ein Ausschnitt des Titels der aktuellen Cicero-Reportage.

DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker

Dr. Daniel Henzgen, Geschäftsführer von Löwen Entertainment

Löwen-Schulungsreferent Sven Unger

In dem Monatsmagazin für politische Kultur, Cicero, hat Reporter Jan Uphoff ganz aktuell (Ausgabe 08/26, ab Seite 81) unter dem Titel „Das Spiel mit dem Verbot“ einen aufwändigen und gut recherchierten Bericht über das legale Glücksspiel und den illegalen Schwarzmarkt veröffentlicht.

Razzia in Offenbach zum Einstieg

Zum Einstieg berichtet Uphoff über eine Razzia in Offenbach bei dem über zwei Tablets illegale Sportwetten praktiziert werden. Keine Seltenheit – diene doch bereits ein kompletter Raum in der Polizeiwache der Aufbewahrung illegaler Geräte, wie der Bericht weiter schildert.

Auch ein Beamter der anonym bleiben will, kommt zu Wort und berichtet über einen illegalen Automaten der an einem belebten Bahnhof konfisziert wurde und bei dem innerhalb von sechs Monaten drei Millionen Euro umgesetzt wurden. Das Fazit des Reporters: „Illegales Glücksspiel ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern Teil eines stetig wachsenden Parallelmarkts, der sich jedweder Regulierung entzieht.“ Und auch Vollzugsbehörden würden mittlerweile die Frage stellen, „ob das bestehende Regulierungssystem den tatsächlichen Markt noch ausreichend einhegt oder ob es ihn bereits ungewollt in den Untergrund drängt“.

Branche nimmt sehr viel Geld für Schulungen in die Hand

Die Kooperation von Vollzugsbehörden und legaler Automatenbranche wird in dem Bericht ebenfalls ausführlich dargestellt und zitiert dazu Georg Stecker, Vorstandssprecher des Dachverbands Die Deutsche Automatenwirtschaft (DAW): „Unsere Branche nimmt sehr viel Geld in die Hand, um zu schulen.“ Und: Der Staat sei bei der Bekämpfung des Schwarzmarkts auf das Wissen der legalen Anbieter angewiesen, schwäche die Branche zugleich aber durch zunehmende Regulierung. Zugleich unterstreicht Stecker: „Auf dem Schwarzmarkt wird der Verbraucher- und Jugendschutz mit Füßen getreten. Wer dort spielt, ist vollkommen ungeschützt, ohne Einzahl- und Verlustgrenzen, ohne Sperrdatei, ohne geschultes Personal.“

Herumgeisterndes Vorurteil

Für den ausgewogenen Bericht nimmt der Reporter den Leser auch mit auf einen Besuch bei Löwen Entertainment in Bingen, wo Schulungsreferent Sven Unger den Unterschied zwischen legalem und illegalem Spiel erläutert und konkret die Einzahlungslimits, Spielkarte gegen Doppelbespielung, Spielpause und das OASIS-Sperrsystem vorstellt. Auch mit dem immer noch herumgeisternden Vorurteil, dass in der Spielhalle Alkohol ausgeschenkt werde, räumt Unger auf. Dr. Daniel Henzgen, Geschäftsführer von Löwen Entertainment, unterstreicht, dass jede zusätzliche Schutzvorschrift zwar die Kontrolle erhöhe, aber zugleich das legale Angebot unattraktiver mache. Und: „Organisierte Kriminalität fängt oft mit etwas vergleichsweise Kleinem wie illegalem Glücksspiel an. Hat man damit einmal Geld gemacht, eröffnet sich schnell der Weg für deutlich investitionsintensivere Straftaten“, wird Dr. Henzgen zitiert.

Während der legale Markt also immer unattraktiver wird, steige der Schwarzmarktanteil, laut der zitierten Haucap-Studie auf aktuell bereits 45 bis 62 Prozent. Der Bericht zitiert den Bundesvorsitzenden der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jochen Kopelke, der unterstreicht, dass der Vollzug „nur Nadelstiche“ setzen kann und fordert einen attraktiveren legalen Markt sowie eine vereinfachte behördenübergreifende Zusammenarbeit.

Politik muss sich auch der Lebensrealität stellen

Verschwiegen wird auch nicht die in der Bremer Politik vorherrschende Sichtweise, dass ein Verknappung des legalen Angebots keine Fehlentwicklung, sondern „eine zentrale Säule einer evidenzgestützten Präventionspolitik“ sei.

Dass es auch anders geht, zeigt der Brandenburger SPD-Landtagsabgeordnete Erik Stohn, der im Cidero konstatiert, dass man sich in der Politik auch der Lebensrealität stellen müsse und „eine vernünftige Vermittlung zwischen Spielerschutz, Wirtschaftsinteressen und konsequentem Vollzug gegen den Schwarzmarkt“ fordert.