10.09.2026

Illegales Online-Glücksspiel: EU entgehen 22,9 Milliarden Euro Steuern

Lukas Mandl (l.), Mitglied des Europäischen Parlaments und Gastgeber des Runden Tisches, sowie Erwin van Lambaart, Vorsitzender der European Casino Association und CEO von Casinos Austria und den Österreichischen Lotterien, beim Runden Tisch des ECA im Europäischen Parlament. (Foto: ECA)

Teilnehmer des Runden Tisches des ECA im Europäischen Parlament (v.l.): Annet Meijer, niederländische Glücksspielbehörde / Kansspelautoriteit; Paul Benner, niederländische Glücksspielbehörde / Kansspelautoriteit; Anders Dorph, Direktor der dänischen Glücksspielbehörde / Spillemyndigheden und Präsident des Gaming Regulators European Forum (GREF); sowie Hermann Pamminger, Generalsekretär der European Casino Association. (Foto: ECA)

Der illegale Online-Glücksspielmarkt mit Angeboten für EU-Verbraucher ist 2025 deutlich gewachsen. Nach einer von der European Casino Association (ECA) in Auftrag gegebenen Studie erreichte er ein Volumen von 91,6 Milliarden Euro. Den EU-Mitgliedstaaten entgingen dadurch schätzungsweise 22,9 Milliarden Euro an Steuereinnahmen.

Hochrangige Diskussionsrunde im Europäischen Parlament

Die Zahlen stellte ECA-Vorsitzender Erwin van Lambaart bei einer hochrangigen Diskussionsrunde im Europäischen Parlament vor. Die Veranstaltung zur Bekämpfung des illegalen Online-Glücksspiels wurde von der ECA organisiert und vom Europaabgeordneten Lukas Mandl (ÖVP) ausgerichtet. Daran nahmen unter anderem Vertreter der Europäischen Kommission, der Europäischen Behörde zur Bekämpfung der Geldwäsche (AMLA), von Eurojust und Europol sowie nationale Glücksspielaufsichtsbehörden und Branchenexperten teil.

Illegaler Online-Markt 2025 um rund 14 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro gewachsen – mehr als die Hälfte der Online-Glücksspielerlöse in der EU-27 entfallen auf illegale Anbieter

Die Zahlen stammen aus der jährlich von der ECA bei Gambling Compliance International (GCI) in Auftrag gegebenen Studie. Demnach wuchs der illegale Online-Markt 2025 gegenüber dem Vorjahr um rund 14 Prozent auf 91,6 Milliarden Euro. Nach Angaben der ECA entfallen inzwischen mehr als die Hälfte der Online-Glücksspielerlöse in der EU-27 auf illegale Anbieter. Insgesamt würden mehr als 6 200 nicht lizenzierte Anbieter gezielt europäische Verbraucher ansprechen.

ECA fordert stärkeres Vorgehen

Die Teilnehmer der Veranstaltung diskutierten unter anderem über das Ausmaß des illegalen Online-Glücksspiels, bestehende Maßnahmen zu dessen Bekämpfung und mögliche Schritte auf europäischer Ebene. Unter Berufung auf die sogenannte Chatham-House-Regel wurden die einzelnen Beiträge nicht öffentlich gemacht.

Van Lambaart warnte vor den Folgen der Entwicklung für Verbraucher und für regulierte Anbieter. Illegale Betreiber könnten europäische Kunden ohne die für lizenzierte Anbieter geltenden Schutzvorgaben erreichen. Dazu zählten unter anderem Maßnahmen zum Spielerschutz, Alters- und Identitätskontrollen sowie Vorgaben zur Bekämpfung von Geldwäsche.

„Schnell wachsendes, grenzüberschreitendes Problem“

„Das illegale Online-Glücksspiel ist ein schnell wachsendes, grenzüberschreitendes Problem“, sagte van Lambaart. Er forderte einen stärkeren politischen Willen sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Behörden und der Privatwirtschaft. Europäische Institutionen wie die Europäische Kommission, Europol und AMLA müssten vorhandene Daten stärker für konkrete Maßnahmen nutzen.

Auch Lukas Mandl bezeichnete illegales Online-Glücksspiel als grenzüberschreitende Bedrohung, die neben dem Verbraucherschutz auch die organisierte Kriminalität und die Integrität des europäischen Binnenmarktes betreffe. Europol müsse über ein entsprechendes Mandat und ausreichende Ressourcen verfügen, um die Mitgliedstaaten bei der Bekämpfung illegaler Aktivitäten unterstützen zu können.

Keine Grauzone

Die ECA betont, dass es in der EU aus ihrer Sicht keinen rechtlichen „Graubereich“ zwischen legalem und illegalem Glücksspiel gibt. Ein Anbieter sei entweder in dem Land, in dem er seine Kunden bedient, entsprechend lizenziert oder nicht lizenziert und damit illegal.

Die European Casino Association kritisiert insbesondere Anbieter, die außerhalb der EU sitzen und europäische Verbraucher ohne nationale Lizenz ansprechen. Diese würden vielfach keine ausreichenden Maßnahmen gegen Geldwäsche und zur Alterskontrolle einsetzen und teilweise mit aggressivem Marketing, Boni und Gratisangeboten gezielt junge und vulnerable Spieler ansprechen.