Automatenunternehmer Christoph Schwarzer mit bewegender Rede in der Frankfurter Paulskirche

Christoph Schwarzer, flankiert vom US-Generalkonsul Norman Thatcher Scharpf (links) und dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, in der Paulskirche.

Beim kürzlichen deutsch-amerikanischen Freundschaftstag in der Frankfurter Paulskirche stand die bewegende Rede von Christoph Schwarzer im Mittelpunkt. Der Automatenunternehmer und ehrenamtliche Feuerwehrmann aus Bad Homburg, der 2001 über eine Million D-Mark für die Witwen und Halbwaisen der verstorbenen NYC-Firefighter gesammelt hatte, berichtete aus sehr persönlicher Perspektive über den 11. September 2001 und die Folgen. 200 geladene Gäste verfolgten die etwa fünfminütige Rede. 

Schwarzer erinnert an die amerikanische Hilfe nach 1945

"Die Bilder von den Kollegen, die in New York die Gefahr erfassten, die ihr eigenes Leben riskierten und verloren, um Menschenleben zu retten und die Gefahr zu bekämpfen, die trafen mich ins Herz. Sie wussten um die Gefahr, und taten dennoch das, was zu tun war. Sie haben nicht gefragt, wer etwas tun kann, sie handelten", betonte Christoph Schwarzer. 

Der Unternehmer sprach von "gelebter Verantwortung", eben "typisch Amerika". Auch dies ein Motiv für sein persönliches Engagement: "Es war für mich mehr als selbstverständlich, unseren amerikanischen Freunden in den schweren Stunden ein Zeichen der Betroffenheit und Hilfe zu senden. Ich habe immer noch die Bilder vom D-Day vor Augen, als Amerika uns von dem Nationalsozialismus befreit hatte. Viele Soldaten ihrer Armee haben dafür ihr Leben gegeben. Deutschland war am Boden zerstört und ihre Nation hat uns massiv Hilfe, Unterstützung, Zuversicht und wieder eine Zukunft gegeben."

Langanhaltende stehende Ovationen des gesamten Publikums

Bescheiden endete die Rede mit diesen Worten: "Ich habe nur einen kleinen Beitrag geleistet. Hätte ich nicht das getan, was ich nur mit der Unterstützung Vieler tun konnte, dann wäre ich meiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Dann müsste ich mich schämen, auf die Freundschaft der Amerikaner nicht mit Freundschaft geantwortet zu haben. God bless America!"

Sabine Münstermann von der Taunus-Zeitung widmete dem Festakt einen großen Artikel mit der Überschrift "Große Ehre für Christoph Schwarzer – Hochtaunus-Feuerwehrmann spricht beim deutsch-amerikanischen Freundschaftstag in der Paulskirche". Auch Atmosphärisches kommt zum Ausdruck, wenn Frau Münstermann schreibt: Für die Rede von Christoph Schwarzer "gab's nicht nur langanhaltenden Applaus, sondern auch langanhaltende stehende Ovationen des gesamten Publikums".

Hier die Rede von Christoph Schwarzer im kompletten Wortlaut: 

"Sehr geehrter Herr Generalkonsul Norman Scharpf, sehr verehrte, liebe Ursula Bouffier, die Gattin unseres Ministerpräsidenten, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Peter Feldmann, meine sehr verehrten Damen, meine Herren,

es ist mir eine Ehre heute Teil der Feierstunde zum Deutsch-Amerikanischen Freundschaftstag zu sein und mit Ihnen den Opfern der Anschläge vom 11. September 2001 zu gedenken. Ich erinnere sehr genau die Gefühle, wie sie mich damals zerrissen haben, die entsetzlichen Bilder, die unsere Erinnerung prägen. Ich hatte keinen persönlichen Verlust zu beklagen, ich war vor Wut über das Barbarische nur sehr betroffen und geschockt wie Millionen beziehungsweise Milliarden anderer Menschen auch.

Noch heute ist der 5. Dezember 2001 einer der ergreifendsten Tage meines Lebens, als ich als erster Deutscher, von Feuerwehrmännern aus New York begleitet, mitten auf dem Ground Zero stand und all die Zerstörungen sah. Als Feuerwehrmann läuft bei mir seit Jahrzehnten beim Eintreffen an der Brand- oder an der Unfallstelle dasselbe Programm im Kopf ab: Gefahr erfassen, Menschen in Sicherheit bringen, Gefahr bekämpfen. Danach kommt erst die Emotion.

Die Bilder von den Kollegen, die in New York die Gefahr erfassten, die ihr eigenes Leben riskierten und verloren, um Menschenleben zu retten und die Gefahr zu bekämpfen, die trafen mich ins Herz. Sie wussten um die Gefahr, und taten dennoch das, was zu tun war. Sie haben nicht gefragt, wer etwas tun kann, sie handelten selbst. 

Das ist typisch Amerika, das ist gelebte Verantwortung. Überall auf der Welt, wo dieses Prinzip gelebt wird, wo nicht gefragt wird, wer etwas tut, wo man etwas bekommen kann, sondern wo man anpackt, auch Risiken nicht scheut, wo man Dienst an der Allgemeinheit leistet und nicht immer nur versucht, Vorteile gleich welcher Art zu erlangen, überall da sind wahre Helden am Werk.

Herr Generalkonsul, Ihnen wurde gerade Ihre wichtige Funktion hier in Frankfurt, im größten Generalkonsulat der Vereinigten Staaten weltweit, übertragen. Sie werden erleben, dass nicht alle Menschen, denen Sie begegnen, Freunde Ihres Landes sind. Doch sie werden erleben, dass die große Mehrheit der Menschen nicht nur Freundschaft, sondern sogar Bewunderung für Ihr Land empfindet.

Ereignisse wie 9/11 zeigen, wie wichtig es ist im ständigen Dialog zu bleiben und Freundschaften zu pflegen. Diese sind die Fundamente einer friedlichen Gesellschaft, die man nicht zum Einstürzen bringen kann. Ihr Land gehörte zu denen, die Deutschland befreit haben. Als Bewahrer der freien Welt. Als Verteidiger der freien Menschen. Sie als Amerikaner haben oftmals einen größeren Beitrag dazu geleistet, als andere Länder. 

Es war für mich mehr als selbstverständlich, unseren amerikanischen Freunden in den schweren Stunden ein Zeichen der Betroffenheit und Hilfe zu senden. Ich habe immer noch die Bilder vom D-Day vor Augen, als Amerika uns von dem Nationalsozialismus befreit hatte. Viele Soldaten ihrer Armee haben dafür ihr Leben gegeben. Deutschland war am Boden zerstört und ihre Nation hat uns massiv Hilfe, Unterstützung, Zuversicht und wieder eine Zukunft gegeben.

Mein Beitrag dazu war und ist ein sehr kleiner. Vor allem, weil ich ihn nicht alleine erbracht habe. Es waren Spender, die ich geworben habe. Ich erinnere mich noch genau an Kinder, die ihr Sparschwein zu mir brachten und auch Jugendliche, die Geld abgegeben haben für die Angehörigen der Feuerwehrleute von New York. Es waren viele, die damals mitgeholfen haben.

Lassen Sie mich ausdrücklich Klaus-Peter Müller, den damaligen Chef der Commerzbank erwähnen, der selbst die Ärmel aufgekrempelt und angepackt hat. Und den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Der damals als Innenminister und quasi Patron der Feuerwehrleute den Schmerz aller Hessen ausdrückte. Der sofort unterstützen wollte. Der mich ermunterte nicht nachzulassen.

Zusammen war ich mit ihm 2011 an dem Ort, an dem so viele meiner Kollegen ihr Leben lassen mussten. Der die Ferien, zu denen wir Kinder von verstorbenen Kollegen nach Hessen eingeladen hatten, nach Kräften, wie auch Klaus-Peter Müller unterstützte. Der auf den Hass mit Mitmenschlichkeit antwortete.

Und vor allem danke ich auch meiner Frau Heike, die mir immer und überall den Rücken freigehalten hat, die im wahrsten Sinne des Wortes Gefährtin bei all meinen Aktivitäten war und ist. All diesen Personen, und den hier nicht erwähnten Spendern gebührt Dank, großer Dank.

Ich habe nur einen kleinen Beitrag geleistet. Hätte ich nicht das getan, was ich nur mit der Unterstützung Vieler tun konnte, dann wäre ich meiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Dann müsste ich mich schämen, auf die Freundschaft der Amerikaner nicht mit Freundschaft geantwortet zu haben.

God bless America!"