Erneute Diskussion um Online-Glücksspiel

Anbieter von Online-Glücksspielen werben immer aggressiver.

Unter dem Titel „Gefährlicher Boom der Online-Casinos“ widmen sich die Zeitungen der Funke-Mediengruppe insbesondere der explodierenden Werbeaktivitäten des – außer in Schleswig-Holstein – noch immer verbotenen Wirtschaftszweiges. Nicht zuletzt infolge der Coronakrise witterten die Online-Anbieter offenbar das große Geschäft.

Der Bericht zitiert aus Mediendaten des Marktforschungsunternehmens Nielsen Company. Demnach sei das Brutto-Werbeaufkommen für die gesamte Glücksspielwerbung in den Monaten Januar bis Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 58,5 Prozent gestiegen. Im März und April, den Monaten mit den stärksten Einschränkungen, hätten sie sich gar verdoppelt. Augenfällig wird das vor allem bei den privaten TV-Sendern.

Drogenbeauftragte will gegen Werbung vorgehen

Daniela Ludwig, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, will härter gegen Werbung von Online-Casinos und Sportwetten vorgehen und begründet das damit dass diese Werbung die Gesundheit von knapp 500 000 Menschen in Deutschland gefährde.

Dirk Quermann, Präsident des Deutschen Online Casinoverbandes (DOCV), lehnt ein allgemeines Werbeverbot ab. Eine erfolgreiche Kanalisierung könne es nur geben, wenn lizenzierte Anbieter in einem ausreichenden Umfang auf ihr Produkt aufmerksam machen könnten, so Quermann. Die im DOCV organisierten Anbieter hätten ihre Werbung reduziert oder freiwillig eingestellt. Leider sorgten jedoch einige nicht im DOCV organisierte Unternehmen für einen gegenteiligen Eindruck.

Wardemann: "Das passt nicht zusammen."

„Da kommt schon Wut hoch, wenn ich so etwas sehe“, zitiert der Bericht der Funke-Mediengruppe den Automatenkaufmann Andreas Wardemann, der Spielstätten in Nordrhein-Westfalen und Sachsen betreibt. In Leipzig musste er eine Spielhalle schließen, die nur 100 Meter von einer Grundschule entfernt lag. 250 Meter hätten es seit 2017 sein müssen. Wardemann: „Kinder sollen nicht spielsüchtig werden, indem sie an einer Spielhalle vorbeigehen. Aber im Fernsehen werben Online-Casinos mit Stars und teils sehr kindlich für sich. Das passt nicht zusammen."

Stecker: "Zahlungsströme unterbinden"

DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker fordert derweil zum wiederholten Male die Landesmedienanstalten und die Glücksspielaufsichten dazu auf, die Verbote der Online-Glücksspiele außerhalb von Schleswig-Holstein zu vollziehen. "Ein richtiger Schritt wäre es, die Zahlungsströme konsequent zu unterbinden", so Stecker. Würden sie sich an den rechtlichen Rahmen halten und den Jugend- und Spielerschutz gewährleisten, hätte er nichts gegen Online-Angebote, wird der DAW-Vorstandssprecher zitiert. Illegales Online-Glücksspiel fände aber im Wohnzimmer statt, wo man es nicht sehe. Das mache es gefährlich.