16.09.2026

Europäischer Markt für illegales Online-Glücksspiel verdreifacht sich laut Euromat-Studie auf 12 Milliarden Euro

Laut einer auf modellbasierten Schätzungen aufgebauten Euromat-Studie umfasst der europäische Markt für illegales Online-Glücksspiel zwölf Milliarden Euro.

Jason Frost, Präsident von Euromat, verdeutlicht, illegales Glücksspiel sei sowohl für den Online- als auch für den stationären Markt ein Problem.

Der europäische Markt für illegales Online-Glücksspiel erreichte im Jahr 2025 ein geschätztes Nettoumsatzvolumen von 12 Milliarden Euro (13,94 Milliarden US-Dollar).

Dies entspricht einer Verdreifachung gegenüber 2019 und einem Anteil von 25 Prozent am gesamten Online-Glücksspielsektor. Dies geht aus einer Studie hervor, die vom europäischen Branchenverband Euromat in Auftrag gegeben wurde.

28 europäische Online-Glücksspielmärkte untersucht

Die von Regulus Partners und dem auf digitale Marktforschung spezialisierten Beratungsunternehmen Helios durchgeführte Studie untersuchte 28 europäische Online-Glücksspielmärkte – konkret die EU-27-Staaten (mit Ausnahme von Malta und Luxemburg) sowie das Vereinigte Königreich, Serbien und Montenegro.

Über 1 000 Arbeitsstunden in forensische Analysen investiert

Für die Studie seien mehr als 1 000 Arbeitsstunden in forensische Analysen investiert worden. Regulus Partners und Helios haben laut eigenen Angaben Daten aus dem digitalen Marketing und zum Web-Traffic sowie makroökonomische und gesellschaftspolitische Entwicklungen – einschließlich der Auswirkungen länderspezifischer regulatorischer Maßnahmen – ausgewertet.

Filip Jelavić, Inhaber und Projektleiter bei Helios, erklärt, das Hauptziel der Studie habe darin bestanden, Umfang, Wachstumstrends, Merkmale und wesentliche Ursachen für das exponentielle Wachstum des Schwarzmarkt-Ökosystems zu ermitteln.

Staatliche Maßnahmen im Fokus

Laut Jelavić können staatliche Maßnahmen dazu beitragen, dass Verbraucher zu illegalen Anbietern abwandern. Er betont: „Es ist offensichtlich, dass Schwarzmärkte für Online-Glücksspiel nicht zufällig entstehen, sondern das Ergebnis staatlicher Maßnahmen sind, die Hürden für die Verbraucher schaffen.“

In einem solchen Umfeld seien die treibenden Faktoren eine Kombination aus eingeschränkter Auswahl – bedingt durch Regulierung und staatliche Monopole –, mangelnder Sichtbarkeit, Preis- oder Wertverzerrungen sowie interventionistischen Maßnahmen wie der Überprüfung der finanziellen Leistungsfähigkeit, welche etablierte Verbrauchergewohnheiten behindern oder erschweren, erläutert Jelavić weiter.

Grundsätzlich habe jede nennenswerte Verlagerung frei verfügbarer Ausgaben von legalen auf illegale Märkte tiefgreifende Auswirkungen: für Regierungen hinsichtlich der Steuereinnahmen, für den Einzelnen im Hinblick auf den Spielerschutz sowie für regulierte Anbieter von Online- und stationären Freizeit- und Unterhaltungsangeboten angesichts der Abwanderung von Kundenausgaben.

Rolle von Kryptowährungen

Zudem hob Jelavić die Rolle von Kryptowährungen bei der Ausbreitung des illegalen Glücksspiels hervor.

„Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass die bedeutendsten Akteure auf dem Schwarzmarkt inzwischen so groß sind, dass sie etablierte Marken mit erheblichen Marktanteilen aufgebaut haben. Die von uns durchgeführten Analysen des Datenverkehrs belegen, dass der rasante Aufstieg von Kryptowährungen maßgeblich zum Aufbau vieler dieser Unternehmen beigetragen hat – insbesondere im Hinblick auf die Produktdifferenzierung und die Umgehung regulatorischer Vorgaben“, so der Experte.

Jelavić  unterstreicht: „Darüber hinaus haben nur wenige europäische Rechtsgebiete für Online-Glücksspiel eine funktionierende Lösung geschaffen, die es Verbrauchern ermöglicht, Kryptowährungen für legales Glücksspiel zu nutzen. Dies erzeugt sowohl einen ‚Push-Effekt‘ seitens der Krypto-Nutzer als auch einen ‚Pull-Effekt‘ durch Krypto-Ökosysteme, die behördliche Kontrollen umgehen wollen. Für die Vielzahl kleinerer Anbieter („Long-Tail“) stellen Affiliate-Unternehmen eine kosteneffiziente Methode zur Spielergewinnung dar – ein Bereich, gegen den selbst bei bestehender Gesetzeslage nur schwer vorzugehen ist.“

Verbraucherschutzmaßnahmen können kontraproduktiv wirken

Jelavić warnte davor, dass Maßnahmen zum Verbraucherschutz unbeabsichtigte Folgen haben könnten: „Verbraucherschutzmaßnahmen sind von entscheidender Bedeutung, wirken jedoch kontraproduktiv, wenn sie dazu führen, dass Spieler in den Schwarzmarkt abwandern.“ Gerade die besonders aktiven und umsatzstarken Kunden, die den Schwarzmarkt aufsuchen, seien oft am stärksten gefährdet, Schaden zu erleiden oder ausgebeutet zu werden.

Kriminelle nutzen illegales Glücksspiel zur Finanzierung von Straftaten

Jason Frost, Präsident von Euromat, verdeutlicht, illegales Glücksspiel sei sowohl für den Online- als auch für den stationären Markt ein Problem.

„Der illegale Schwarzmarkt bereitet all jenen große Sorge, die um die Bedeutung einer fortschrittlichen und fair regulierten Freizeit- und Unterhaltungsbranche wissen – sei es im stationären Bereich oder online“, sagt Frost.

Der Euromat-Präsident verweist auf Erkenntnisse des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), denen zufolge organisierte kriminelle Gruppierungen Einnahmen aus illegalem Glücksspiel zur Finanzierung weiterer Straftaten nutzen könnten.

„Nach Angaben des UNODC betrachten kriminelle Organisationen das illegale Glücksspiel als ‚Cashcow‘; die Gewinne liefern sofort verfügbare Liquidität für Reinvestitionen in risikoreiche, aber lukrative kriminelle Geschäfte wie Drogen- und Menschenhandel sowie Waffenschmuggel“, hebt Frost hervor.

Kosten für Steuern und Compliance

Er machte deutlich, dass regulierte Anbieter benachteiligt seien, da illegale Unternehmen keine vergleichbaren Kosten für Steuern und Compliance zu tragen hätten.

Der Euromat-Präsident betont: „Die Mitglieder von Euromat wahren höchste Integritätsstandards und spielen eine Schlüsselrolle dabei, viele Millionen Verbrauchern in ganz Europa Unterhaltung mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten. Unregulierte Anbieter auf dem Schwarzmarkt zahlen weder Abgaben noch Steuern und können dank deutlich niedrigerer Gemeinkosten höhere Renditen in Aussicht stellen, was die Abwanderung aus den legalen Märkten vorantreibt.“

Frost sagt, die Untersuchung werde als Grundlage für den Dialog von Euromat mit politischen Entscheidungsträgern und Strafverfolgungsbehörden dienen.

Die von Euromat in Auftrag gegebene Studie werde das Rückgrat des Dialogs mit politischen Entscheidungsträgern und Strafverfolgungsbehörden in den Mitgliedstaaten bilden. „Wir bekennen uns nachdrücklich zur Förderung gesunder und sinnvoll regulierter Märkte, in denen Unternehmen einen Beitrag zur Wirtschaft leisten, attraktive Karriere- und Beschäftigungsmöglichkeiten bieten, lokale Lieferketten unterstützen und gesellschaftliche Verantwortung übernehmen“, sagt Frost.

Probleme in Deutschland

Besonders interessant ist der Addendum, der der Pressemitteilung des Euromat anhängt. Folgende Faktoren haben laut Studie hierzulande einen Einfluss auf den illegalen Markt: Produktbeschränkungen, Besteuerung und Werbebeschränkungen.