Nachruf auf Christoph Schwarzer: Inspirierender Automatenunternehmer und Feuerwehrmann mit Herz
Christoph Schwarzer (1960 - 2026), hier auf einem Jubiläumsfest des HMV. Unsere Branche trauert um einen herausragenden Macher, Kommunikator und Impulsgeber.
Erinnerungen, von links oben im Uhrzeigersinn: Der Unternehmer mit Ehefrau Heike nach der Auszeichnung mit dem Hessischen Verdienstorden durch den Ministerpräsidenten Volker Bouffier. – Christoph Schwarzer mit HMV-Vorstandskollegen beim Verbandsjubiläum im Juni 2022 in Münzenberg. – Der Hauptbrandmeister mit Sohn Timo und Enkeltochter auf einer Feuerwehrdrehleiter. – Christoph Schwarzer als mit Ovationen gefeierter Redner während eines deutsch-amerikanischen Festaktes in der Frankfurter Paulskirche.
„Als langjähriger aktiver Feuerwehrmann weiß ich, dass das Leben sehr schnell vorbei sein kann. Vielleicht ist das der Stachel, der mich antreibt. Ich bin mit mir im Reinen, und ich bin in meinem Leben nie abhängig gewesen, außer vom lieben Gott und von meiner Frau, die die Buchhaltung macht.“ Das sind so typische, deutliche, kantige Christoph Schwarzer-Sätze – aus dem Juni 2021 im Gespräch mit unserem Fachmagazin.
Aus unserer Mitte gerissen
Unfassbar, dass dieser vitale und vielfältigst engagierte Automatenunternehmer, Branchenkollege und Freund am Montag, 12. Januar, aus unserer Mitte gerissen worden ist. Im Alter von nur 65 Jahren. Ein plötzlicher Herztod nach Stunden des Unwohlseins. „Wir werden seinen Rat und seinen Initiativgeist schmerzlich vermissen“, trauerte der Hessische Münzautomaten-Verband in seiner gestrigen Eilmeldung und zeichnete das Bild eines überaus engagierten Unternehmers, der viele innovative Wege ging und tatkräftig mithalf, unser Branchen-Image auf eine neue Stufe zu heben.
Wer war also Christoph Schwarzer? Ein Selfmademan, bestens vernetzt, meinungsstark, fokussiert. Ein Typ, der zupackt, inspiriert, zuweilen auch polarisiert. Offen und geradeaus – ohne Netz und doppelten Boden. Und zudem ein echter, ehrenamtlicher „Feuerwehrmann mit Herz“, wie die Frankfurter Neue Presse heute ihren redaktionellen Nachruf betitelt hat.
Dass Christoph Schwarzer hessische Ministerpräsidenten wie Volker Bouffier und Boris Rhein zu seinen Freunden zählen konnte, hat im Ursprung mit einer frühen Heldentat zu tun.
Stehende Ovationen in der Paulskirche
Denn sofort nach den Anschlägen von Nine-Eleven sammelte der zweifache Familienvater Spenden für die Familien seiner getöteten Feuerwehrkameraden in New York – insgesamt über eine Million Euro! Bereits im Dezember 2001 überbrachte der Automatenunternehmer das Geld einer Feuerwache mit besonders hohem Blutzoll und durfte als erster Deutscher den damals noch völlig abgeriegelten Ground Zero betreten. Christoph Schwarzer machte in der Folge unter anderem auch Erholungsreisen von Angehörigen der Terroropfer nach Deutschland möglich. 2011 gehörte er der offiziellen Delegation des Ministerpräsidenten Volker Bouffier bei den Gedenkfeierlichkeiten in New York an.
Unvergessen auch seine – mit stehenden Ovationen bedachte – Rede im September 2021 in der Frankfurter Paulskirche beim offiziellen Gedenk- und Festakt. „Dieses Zeichen der Solidarität vergisst unsere Nation nie“, dankte der amerikanische Botschafter Philip Murphy dem Automatenunternehmer aus Bad Homburg.
Und Christoph Schwarzer erklärte: „Die Bilder von den Kollegen, die in New York die Gefahr erfassten, die ihr eigenes Leben riskierten und verloren, um Menschenleben zu retten und die Gefahr zu bekämpfen, die trafen mich ins Herz. Sie wussten um die Gefahr, und taten dennoch das, was zu tun war.“
Bescheiden endete die Rede mit diesen Worten: "Ich habe nur einen kleinen Beitrag geleistet. Hätte ich nicht das getan, was ich nur mit der Unterstützung vieler tun konnte, dann wäre ich meiner Verantwortung nicht gerecht geworden. Dann müsste ich mich schämen, auf die Freundschaft der Amerikaner nicht mit Freundschaft geantwortet zu haben. God bless America!"
Höchste Auszeichnung des Landes Hessen
Dass der Automatenunternehmer im März 2022 mit der höchsten Auszeichnung Hessens, dem Hessischen Verdienstorden, ausgezeichnet wurde, war dann keine große Überraschung mehr – ein großer Tag sicher auch für unsere Branche.
Durch die ehrenamtliche Tätigkeit als Hauptbrandmeister hatte Christoph Schwarzer schon früh gelernt, wie gute Öffentlichkeitsarbeit funktioniert und wie Medien arbeiten. „Letztlich geht es wie in so vielen Bereichen des Lebens darum, Vertrauen aufzubauen. Wir sind nicht Aufsteller oder Hinsteller von Automaten, sondern Unternehmer mit vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen“, so der gebürtige Königsteiner, der es verstand, selbstbewusst Medienleute auf die Themen und Probleme unserer Branche aufmerksam zu machen.
Die in Blackys Spielothek in Oberursel gedrehte TV-Reportage des Hessischen Rundfunks „7 Tage in der Spielhalle“ war in diesem Sinne ein echtes Glanzstück. Der um Objektivität und Fairness bemühte Bericht lief mehrfach im TV und wurde bereits mehr als eine Million mal angeklickt.
Für einen offenen Dialog
„Out of the box“ zu denken, das war eine absolute Stärke von Christoph Schwarzer. So organisierte er beispielsweise Literaturlesungen in Spielhallen, empfing die Fußballnationalmannschaft im Magic Bowl oder organisierte gemeinsam mit Ehefrau Heike Golfturniere oder Schienenbusfahrten, bei denen Unternehmer und Politiker niedrigschwellig in einen offenen Dialog treten konnten.
Christoph Schwarzer, erfolgreicher Betreiber von modernen Spielstätten, Sportwettbüros und zwei Magic-Bowl-Centern, kam als junger Angestellter bei Branchenlegende Goswin Reichert erstmals in Kontakt zur Welt der Unterhaltungsautomaten. Aus dieser Zeit konnte er herrliche Anekdoten erzählen.
Der Hesse war aktives Vorstandsmitglied im Forum der Automatenunternehmer und bis zuletzt im Hessischen Münzautomaten-Verband, außerdem Gründungsmitglied des Dachverbandes DAW. Außerdem bereicherte er mit seiner unverstellten offenen kommunikativen Persönlichkeit den Merkur Beirat, Löwen-Club und Ball Wulff Hauptstadt Club.
Der Privatmensch Christoph Schwarzer
Dass einer wie Christoph Schwarzer auch karitativ breit aufgestellt war, versteht sich von selbst. Unvergessen, wie er den letzten Wunsch eines Spielgastes erfüllte, der auf einer Palliativstation lag. Es wurde ihm tatsächlich möglich gemacht, noch einmal einen schönen, sorgenfreien Nachmittag in seiner Lieblingsspielothek zu verbringen.
Und der private Christoph Schwarzer? Dieser war vor allem ein Familienmensch, ebenso aber auch schwer fußballbegeistert – ein Fan von Eintracht Frankfurt mit Dauerkarte. Zudem gehörte er zu den Warnern mit wachem Blick für problematische Entwicklungen und Tendenzen in Deutschland. Schwimmen, Golf und der Stolz auf die beiden Enkelkinder runden das Bild ab. Zudem gab es spannende Reiseprojekte, von Australien bis Nordkorea. Sohn Timo Schwarzer, der dem Vater in Mimik und stimmlichem Timbre sowie mit seiner kraftvollen Persönlichkeit verblüffend ähnelt, hatte dem Senior-Chef zuletzt viele Freiräume ermöglicht.
Wir sind heute in tiefer Trauer vereint mit Familie Schwarzer, den Freunden und Mitarbeiterinnen & Mitarbeitern. Wenn es ein Vermächtnis von Christoph Schwarzer gibt, dann vielleicht dieses – dass unsere Branche sich nicht zu verstecken braucht und in die Mitte der Gesellschaft gehört!