GlüStV 2021: Erste Reaktionen der Medien

Die Medien thematisieren vor allem die Legalisierung des Online-Spiels, das es schon so lange gibt wie das Internet. (Symbolbild)

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 hat bereits am Tag seines Inkrafttretens ein erstes Medienecho ausgelöst. Im Zentrum der Betrachtung: Die Legalisierung des Online-Spiels.

So schreibt das „Handelsblatt“, das Online-Glücksspiel werde aus der geduldeten Illegalität herausgeholt und legalisiert und spricht von einem „teils absurden Lehrstück über Regulierung im Spannungsverhältnis zwischen Föderalismus, Verbraucherschutz sowie staatlichen und wirtschaftlichen Interessen“.

Absurdes Lehrstück

Das Blatt thematisiert den erbitterten Kampf um Tausende Arbeitsplätze in baden-württembergischen Spielhallen und stellt dem gegenüber, dass Spieler vor allem in den jetzt legalisierten Angeboten „vielleicht Jahre ungeschützt sein“ (werden), weil die neue Aufsichtsbehörde noch lange im Aufbau begriffen sein werde.

Wettbewerb nimmt Fahrt auf

Das „manager magazin“ erwartet, dass der Wettbewerb um die Glücksspiel-Milliarden noch einmal deutlich an Fahrt aufnehmen werde. Das Magazin verweist darauf, dass die meisten Menschen wegen der Fernsehwerbung glauben, Online-Spiel sei in Deutschland längst erlaubt, und berichtet unter Berufung auf die European Gaming & Betting Association (EGBA) mehr als elf Prozent der europaweit mit Online-Glücksspiel erzielten Umsätze stammten schon vor dem GlüStV 2021 aus Deutschland – 2,7 Milliarden Euro mit steigender Tendenz.

Interview mit Georg Stecker

Die „Rheinische Post“ interviewte aus Anlass des Inkrafttretens des GlüStV 2021 den DAW-Vorstandssprecher Georg Stecker und zwar mit der, man möchte fast sagen üblichen Stoßrichtung: Werden jetzt alle Deutschen zu Glücksspielern? Man kann immer noch Haus und Hof verspielen. Nimmt die Zahl der Spielsüchtigen wegen der Internetangebote jetzt zu?

Stecker rückte da einiges zurecht: Die Deutschen würden nicht mehr zu Glücksspielern als die Bürger anderer Staaten, in denen es ein vergleichbares Glücksspielangebot schon lange gäbe. Dass die Zahl der Spielsüchtigen steige, hält der DAW-Vorstandssprecher für unwahrscheinlich. Deren Zahl liege – unabhängig vom Angebot – seit Jahren bei knapp einem Prozent der erwachsenen Bevölkerung.

"Jeder Süchtige ist ein Süchtiger zu viel"

„Wenn im Supermarkt mehr Flaschen in den Regalen stehen, werden ja auch nicht unbedingt mehr Menschen zu Alkoholikern“, so Stecker. „Da gehört mehr dazu.“

Jeder Süchtige sei ein Süchtiger zu viel, betonte Stecker und begrüßte deshalb erneut und ausdrücklich die spielformübergreifende Sperrdatei. Damit könnten süchtige oder gefährdete Spieler wirkungsvoll von allen Formen des Glücksspiels ausgeschlossen werden.

Der immer noch weit verbreitete Regulierung von Spielhallen durch Abstandsgebote bescheinigte Stecker im Angesicht des Online-Angebotes Absurdität.

Suchtgefahr im Fokus

Die „heute“-Nachrichten im ZDF greifen die Legalisierung des Online-Spiels unter der Überschrift „Der Traum vom schnellen Geld“ auf, der „Deutschlandfunk“ interviewt Ilona Füchtenschnieder und titelt „Staatlich legitimierte Suchtgefahr“ und im Online-Angebot des „rbb“ heißt es „Ein Staatsvertrag für die Gewinnabgaben, aber nicht gegen die Sucht“.